Duyurular

Call for Papers:
Transnationale deutsch-türkische Migration

Mit der Globalisierung und Transnationalisierung der Welt haben die weltweite Zirkulation von Kapital und Gütern sowie die menschliche Mobilität deutlich zugenommen. Zahlreiche Studien belegen, dass grenzüberschreitende Migration nicht einfach als uni-direktionale Ortswechsel zu betrachten sind. Grenzüberschreitende Migration bedeutet zunehmend transnationale Migration, d. h. verstärkte dauerhafte Mobilität und eine enge Verbindung zu Residenz- und Herkunftsgesellschaften. Durch diese Form der Migration sind viele neue Lebensmuster entstanden, die alle Beteiligten (Individuen, Familien, Herkunftsgesellschaft, Residenzgesellschaft etc.) und sämtliche Aspekte des Alltags (gesellschaftliche Eingliederung, Berufs- und Familienleben etc.) maßgeblich beeinflussen. Nur wer diese neuen Entwicklungen der menschlichen Mobilität berücksichtigt, kann Migration heute verstehen und entsprechende Konzepte für Wissenschaft, Politik und Alltag entwickeln.

Für die deutsch-türkische Transmigrationsforschung ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass es zahlreiche Publikationen über transnationale Aspekte von MigrantInnen aus der Türkei nach Deutschland gibt. Die Migration von deutschen StaatsbürgerInnen in die Türkei wurde jedoch bis dato nur am Rande unter diesem Aspekt untersucht. Auch Untersuchungen zu RückkehrmigrantInnen und die Abwanderung von deutschen StaatsbürgerInnen mit türkischem Migrationshintergrund wurden bisher nur spärlich unter dem Aspekt der Transnationalität behandelt.

Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in den Zahlen der deutsch-türkischen Migrationsströme wieder. Darunter sind erstens die vorhandenen AusländerInnenstatistiken in Deutschland und der Türkei zu verstehen. Während es in Deutschland zahlreiche AusländerInnenstatistiken gibt, so ist in der Türkei genau das Gegenteil der Fall. Ungleichgewichtig sind aber auch die stark divergierenden MigrantInnenzahlen: So stehen den im Jahr 2010 laut Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 2,9 Millionen Personen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland 5.944 deutsche StaatsbürgerInnen gegenüber, die mit einer Aufenthaltsgenehmigung in der Türkei leben. Wenngleich zu der Zahl der mit Aufenthaltsgenehmigung registrierten deutschen StaatsbürgerInnen auch noch Doppelstaatler, deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft mit priviligiertem Sonderstatus in der Türkei (mavi kart) und die vielen zirkulären deutschen MigrantInnen, die ohne offizielle Aufenthaltsgenehmigung in der Türkei leben und in Dreimonatsabständen als Tourist in die Türkei aus- und einreisen hinzuzurechnen sind, bleibt das Ungleichgewicht der Migrationsbewegungen zwischen Deutschland und der Türkei sehr groß. Dennoch sind diese Zahlen in beiden Ländern von großer Bedeutung. In Deutschland machen die rund 2,9 Millionen Personen mit türkischem Migrantionshintergrund die größte Gruppe der AusländerInnen und Eingebürgerten aus; in der Türkei stellen die insgesamt 80.000 geschätzten deutschen StaatsbürgerInnen, die vornehmlich in der Türkei leben, die größte Gruppe der EU-BürgerInnen im Land dar und sind damit auch zahlenstärker als offiziell anerkannte und aus verschiedenen Gründen viel diskutierten Minderheitengruppen wie zum Beispiel Armenier oder Griechen.

 

Ziel der Tagung:

Ziel der Tagung ist es, transnationale deutsch-türkische Bindungen näher zu beleuchten. Dabei soll die deutsch-türkische Transnationalität aus deutscher und türkischer Perspektive betrachtet werden. Nach einer ausführlichen Darlegung und Diskussion theoretischer Implikationen sowie der Vermittlung eines Überblicks über türkische Migrationsströme nach Deutschland und deutsche bzw. deutsch-türkische Migrationsströme in die Türkei durch GastreferentInnen soll der Blick auf unterschiedliche Aspekte der deutsch-türkischen Transnationalität gerichtet werden. Folgende Themenbereiche sind hierbei von besonderem Interesse:

  • Was sind die Gründe, Motivationen sowie die gesellschaftlichen und/oder persönlichen Voraussetzungen für ein transnationales Leben in/zwischen Deutschland und der Türkei? Welche Formen von kulturellem Kapital begünstigen transnationale Lebensformen?
  • Wie beeinflussen transnationale Lebensentwürfe in unterschiedlichen Lebensphasen den Alltag von transnationalen MigrantInnen? Wie organisieren sich Familien in/zwischen zwei Ländern? Und welchen Einfluss haben transnationale Lebenskonzepte auf berufliche Orientierungen und berufliche Realitäten?
  • Was kennzeichnet transnationale deutsch-türkische Unternehmen? In welchen Bereichen formieren sie sich und wie sind sie formell strukturiert? Wer sind die primären Akteure in diesen Unternehmen und was motiviert sie?
  • Wie organisieren sich transnationale MigrantInnen in Deutschland und der Türkei? In welchen gesellschaftlichen Bereichen sind sie aktiv und was sind die Gründe und Motivationen für ihr zivilgesellschaftliches Engagement?

 

Der Fokus der Beiträge soll auf dem transnationalen deutsch-türkischen Raum liegen. Neben Beiträgen zur „türkischen Transnationalität in Deutschland“ sind v. a. auch Beiträge zur „deutschen Transnationalität in der Türkei“ erwünscht. Den Beiträgen mit Fallbeispielen sollte auch ein kurzer allgemeiner Überblicksteil mit Zahlen, Entwicklungslinien und aktuellen Trends über den jeweils analysierten Bereich vorausgehen.

Veranstaltungsort: Istanbul
Datum: 30. Oktober – 2. November 2011
Die Tagungssprachen sind Deutsch und Türkisch.
ReferentInnen mit angenommenen Beiträgen werden die Reisekosten erstattet.
Abstracts (1-2 Seiten) und CVs sollen bis zum 15. Februar 2011 per E-Mail an Dr. Barbara Pusch gesendet werden an: pusch@oidmg.org.

 

Praktika

Das Orient-Institut Istanbul (OII) vergibt Praktika in den Arbeitsbereichen:

  • Bibliothek
  • Forschung

Bewerben können sich Studierende aus Fachrichtungen, die der wissenschaftlichen Aufgabenstellung des Instituts entsprechen, soweit das Grundstudium (MA-Studiengang) bzw. das dritte Studiensemester (Bachelor-Studiengang) absolviert wurde. Hauptrichtungen sind hierbei: Turkologie, Osmanistik und Islamwissenschaft. Auch andere Studienrichtungen, die in einem regionalen Bezug zur Forschungsregion stehen, können berücksichtigt werden.
Die Praktika dauern in der Regel mindestens sechs Wochen.
Kenntnisse der Landessprache – bei wissenschaftlichen Praktika des Englischen und je nach Projekt auch weiterer Sprachen – werden vorausgesetzt. Die Praktikantinnen und Praktikanten müssen für die Zeit des Praktikums an einer deutschen Hochschule immatrikuliert sein. Dies ist bei Antragstellung und erneut bei Beginn des Praktikums durch Vorlage der Immatrikulationsbescheinigung nachzuweisen. Das OII geht davon aus, dass eine ordnungsgemäße Krankenversicherung besteht und das Praktikum keine anderweitige Versicherungspflicht durch das Institut begründet.
Ein Entgelt gewährt das Institut nicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit, beim DAAD ein Stipendium für Kurzaufenthalte an den Auslandsinstituten der Stiftung DGIA zu beantragen. Die wöchentliche Ausbildungszeit beträgt 20 Stunden. Die Praktikantinnen und Praktikanten werden ihrem Arbeitsbereich entsprechend vom wissenschaftlichen Fachpersonal angeleitet.
Von den Praktikantinnen und Praktikanten wird bei Annahme des Praktikums erwartet, dass sie,

  • sich am ersten und letzten Werktag des Praktikums persönlich bei den Institutsangehörigen vorzustellen bzw. verabschieden,
  • der Institutsverwaltung alle Umstände mitteilen, die für die Bewilligung bzw. Durchführung des Praktikums von Bedeutung sein können,
  • die allgemeinen Institutsregeln anerkennen und
  • sich an den Veranstaltungen des Institutes (Vorträge, Workshops etc.) beteiligen.

Die Auswahl der Praktikantinnen und Praktikanten obliegt alleine der Institutsleitung. Ein Anspruch des Bewerbers auf Gewährung eines Praktikums besteht nicht. Die Praktikumsbewilligung kann widerrufen werden, wenn triftige Gründe vorliegen.
Nach erfolgtem Praktikum wird eine Praktikumsbescheinigung ausgestellt.
Anträge auf Bewilligung eines Praktikums sollen folgende Angaben enthalten:

  • Studiengang und Studienzeit (Semester, Hochschule),
  • gewünschter Arbeitsbereich und Ziel des Praktikums.

Beizufügen sind:

  • ein Lebenslauf, einschließlich Angabe von Fremdsprachenkenntnissen,
  • ein Passfoto,
  • Zeugniskopien (unbeglaubigt),
  • eine Kopie der Immatrikulationsbescheinigung.

Bei Interesse an einem Praktikum bitten wir um eine Bewerbung ca. 6 Monate vor dem gewünschten Praktikumsbeginn.
Allgemeine Anfragen bezüglich der Praktika können an Frau Julia Aylin Kolcu gestellt werden. Anfragen für Bibliothekspraktika richten Sie bitte direkt an die Bibliotheksleitung, Frau Dr. Astrid Menz.